Das Paradoxon des Eigentums

Die Lehre über den Kommunismus von Marx ist wahrscheinlich jedem Menschen ein Begriff. Genauso die Lehre über Buddhismus, Christentum, Demokratie, Diktatur und den vielen weiteren Theorien über das Zusammenleben einer Gemeinschaft.

Was eint all diese Lehren oder Ideologien?

Sie haben die gemeinsame Grundlage, dass das Grundeigentum der sozialen Gemeinschaft (Volk, Staat) allen Menschen innerhalb dieser Gemeinschaft gehören solle.

Das Problem dabei ist jedoch, dass keiner in dieser Gemeinschaft das Grundeigentum tatsächlich besitzt. Haben Sie schon mal versucht, Ihren Anteil am Besitz des Ihrer Gemeinde gehörenden Wasserwerkes oder Rathauses oder öffentlichen Parks zu verkaufen? Vermutlich nicht, denn das ist nicht möglich.

Es scheint offensichtlich zu sein, dass es eine Diskrepanz zwischen der Lehre (dem Volk gehört alles) und der Wirklichkeit (der Einzelne hat keine Verfügungsgewalt über das, was ihm eigentlich gehören sollte) gibt.

So schön die Lehre vom Kommunismus und ähnlichen Theorien vom Eigentum für alle klingen mag, diese mutieren im Laufe der Zeit zu einem Zustand, in welchem eine herrschende Klasse Gesetze und Regeln schafft, deren Merkmal es ist, dass die „gewöhnlichen“ Menschen soweit unterdrückt werden, dass der Machtanspruch der Oberen nicht mehr gefährdet ist oder infrage gestellt werden kann. Eine solche Unterdrückung kann offensichtlich (Diktatur) oder versteckt (Scheindemokratie) erfolgen, sie funktioniert über milde Methoden (Zensur, Überwachung, Parteienoligarchie) bis hin zum offenen Mord an der Gemeinschaft (unter dem kommunistischen Führer Stalin wurden mehr als 50 Millionen Menschen ermordet).

Dabei ist beispielsweise die Theorie von Marx als ideales Beispiel vielversprechend.
Doch wieso endet es, bei allem anfänglichen Altruismus, bei dem Wunsch, den Menschen etwas Gutes zu bringen, immer damit, dass die Masse der unteren Menschen von wenigen oberen Menschen unterdrückt wird und so im Unfrieden und Not leben muss?

Ein Grund dafür könnte im Paradoxon des Eigentums liegen.
Das Paradoxon des Eigentums wird wie folgt definiert:

Eine Ideologie (Das ist wertneutral und nicht negativ gemeint) beschreibt Regeln, wie sich die Menschen in eine Welt des Gesamteigentums transformieren können und welche sozialen Konstrukte um dieses Gemeinschaftseigentum entstehen sollen (Kolchosen, allen gehört alles,….).

Was aber fehlt, ist die gerechte Definition oder ein Regelwerk, wer denn über dieses Eigentum, welches doch allen gehört, verfügen kann, verfügen darf.
Dieses Eigentum, das nun allen gehört, wird ohne Besitzregelung zu einem Vakuum. Das heißt, es existiert das Eigentum der Gemeinschaft, aber niemand hat wirklich Zugriff im Sinne von Eigentum auf dieses nun herrenlose Eigentum, und, das ist mit ein entscheidendes Kriterium, niemand meldet einen Anspruch auf dieses Eigentum an.
Dieses Vakuum ist immer dann vorhanden, wenn von einer Ideologie Eigentum allen Menschen zugesprochen wird, es besteht in allen heutigen Formen des Gemeinschaftslebens, eben gleich ob Kommunismus oder Demokratie.

Was geschieht in der Folge diese Besitz-Vakuums?

Nun, da niemand einen rechtlichen Besitz darauf hat, weder das Volk (niemand kann seinen Anteil tatsächlich verkaufen) noch die Herrschenden (kein Politiker kann ein Wasserwerk verkaufen und den gesamten Ertrag für sich einnehmen, also sind auch die Herrschenden keine Eigentümer des Volkseigentums), so entstehen Regeln zum Verwalten dieses Vakuums. Das große Problem dabei ist, dass die Herrschenden, die natürlich diese Regeln schaffen, diese Regeln so schreiben, dass SIE eine gewisse Macht über das Eigentum ausüben können (ohne es je zu besitzen), und dass dem Volk möglichst wenig an Macht über das Eigentum gelassen wird.

Mit zunehmender Verfestigung der Macht über Verfügbarkeit des Eigentums wächst zwangsläufig bei den Herrschenden zwei entscheidende Faktoren:

  1. Die Herrschenden „verwalten“ das Eigentum in einer Weise, dass ihnen selbst ein möglichst großer und meist regelmäßiger Gewinn zukommt, oft in der Form, dass sie denen real über ihnen stehenden Menschen (Die eigentlichen Herrschenden aus Kapital und – oder Einfluss und Macht) Teile des vakuumisierten Eigentums zukommen lassen, vielleicht über Nutzungsverträge (Selbstverständlich zum Wohle des Volkes) oder über den Verkauf gegen ein geringes Entgeld für die Gemeinschaft, aber großen Gewinn für die Käufer und im Zuge des Verkaufes auch in Form von Provisionen oder durch Vergabe von hochdotierten Posten im Umfeld des Käufers.
  2. Die Furcht davor, dass „die Menschen draußen im Lande“ nach einer Mitbestimmung drängen und etwas von der Macht zum Behandeln des Eigentums einfordern und so den „Oberen“ etwas von den zu erwartenden Bereicherungen abzwicken könnten.

Deshalb muss das Volk entweder durch Brot und Spiele (siehe im alten Rom) abgelenkt und beruhigt werden, oder, wenn nicht mehr genug Geld für Brot und Spiele vorhanden ist, muss das Volk mittels Zensur, Verboten, Gesetzen und Kriminalisierung von Nichtigkeiten oder durch neue erfundene oder schwammige Tatbestände so unter Druck gesetzt und damit unten gehalten werden, dass ihnen jeder Gedanke an das Miteigentum abhandenkommt.

Dass diese Mechanismen, welche sich zwangsläufig aus dem Vakuum des Gemeinschaftseigentums herausbilden, auch für heutige „moderne“ Formen der Gemeinschaften gültig sind, erleben wir heute in den Demokratien, wenn auch diese Mechanismen erheblich diffuser und undurchsichtiger gehalten werden.

Ob es denn überhaupt Formen einer Gemeinschaft geben kann, welche diese Mechanismen der Bereicherung an „eigentumsfreien“ Eigentum nicht in Gang setzen, ist wohl schwer zu beantworten und wir werden dazu sicherlich keine Lösung erörtern oder skizzieren können, vielleicht aber darüber nachdenken.

In der Vergangenheit gab es natürlich zumindest eine Form der Gemeinschaft, in welcher es ein solches Besitzvakuum nicht gab. Das waren die Herrschaftsformen wie Königtum oder allgemein Feudalherrschaft. Dem König gehörte alles. Aber leider gehörten damals dem König auch die Menschen, sodass, zumindest für die Untertanen, kein Anteil am Besitz möglich war. Im Gegenteil, dadurch, dass der Feudalherrscher ALLES besaß, mussten die Menschen auf der Stufe von Sklaven leben. Gemildert nur durch die Einrichtung von Zwischenpuffern, der Hierarchie von Beamten, Günstlingen,u.s.w., welche durch verliehene Teil-Mächte über die Unteren in wenigen, oft genau abgegrenzten Bereichen bestimmen konnten.

Vielleicht könnte sich in einer Zukunft eine Gesellschaft entwickeln, welche dieses Besitzvakuum mit echtem Besitz ausfüllt, und vielleicht liegt der Schlüssel für eine glückliche und zufriedene Gesellschaft genau darin.

Last uns deshalb ein wenig darüber nachdenken, wie einen solche Gesellschaft aussehen könnte.

Zum ersten müsste ein Rechtsanspruch auf das Gemeinschaftseigentum hergeleitet werden. Dieser Rechtsanspruch könnte, und hier würde vielleicht eine Aufgabe einer künftigen Gesellschaft liegen, der Anspruch durch die göttliche Abstammung definiert werden. Das heißt, dass allen Menschen dadurch, dass wir alle ein (echter) Teil Gottes sind, das Recht auf das Eigentum gegeben ist. Nichts anderes haben früher die Feudalherrscher getan, indem diese den Anspruch auf den Besitz des gesamten Landes und der Menschen damit begründeten, dass sie von Gottes Gnaden zum Herrscher gemacht (geboren) wurden.

Eine solche Gesellschaft würde sich dann dadurch definieren, dass ein jeder Mensch bei der Geburt seinen ihm zugemessenen Anteil am Gesamtvermögen der Gemeinschaft (des Staates) übertragen wird. Beispielsweise am Land Deutschland mit ca. 90 Millionen Einwohnern würde das bedeuten, dass jeder Neugeborene 1/90 millionstel Anteil an allem (Grund, Straßen, Wasserwerke, Vermögen, etc.) mit Geburt besitzt.
Damit müsste dann der Staat jedem Besitzenden aus den vom Eigentum erwirtschafteten Gewinnen einen Anteil ausbezahlen. Man könnte dies als eine Art negative Steuer betrachten. Im Grunde genommen ändert sich nichts an der jetzigen Situation, aber auch die Ärmsten erhalten damit eine Unterstützung, vielleicht sogar in Form eines Grundeinkommens.
Das Geld, welches der Staat zur Erwirtschaftung eines Gewinnes benötigt, könnte aus den Bereichen kommen, welche heute schon zum Einkommen des Staates beitragen. Firmen, Betriebe, der Mittelstand, alle Formen von Initiativen, welche es einem einzelnen Menschen ermöglichen, MEHR Geld zu verdienen als das Grundeinkommen, könnten damit zum Staatsgewinn beitragen. Damit wäre auch der Anreiz da, etwas für den eigenen sozialen (weil besserer Verdienst) Status zu tun.
Ein weiterer Vorteil wäre es, dass dieses Recht auf einen echten Besitz letztendlich ein Ur-Recht darstellt. Dieses Recht könnte bei Vergehen oder Straftaten zum Teil oder zeitlich befristet, dem Rechtsverletzenden abgesprochen werden. Damit wäre eine gesellschaftsmoralische Grundlage für die Änderung des Strafrechtes in ein Handelsrecht (Die Frage, ob ein Handelsrecht das heutige Strafrecht ersetzen sollte, wird in einer anderen Betrachtung zur Diskussion gestellt) gegeben.

Soweit als erster Gedanke für eine Diskussion zu einer möglichen Verbesserung des friedlichen Miteinanders in unserer menschlichen Gemeinschaft.

Es fehlt noch der Hinweis, dass es natürlich schon gesellschaftliche Formen gibt, in welchen dieses Besitz-Vakuum nicht existiert. Eine solche gesellschaftliche Gruppe sehen wir in der Form der zweitkleinsten Gemeinschaft, der Familie. Dort ist das Besitzvakuum zum großen Teil verschwunden. Zwar besitzen die Eltern formal das Eigentum der Familie, aber den Kindern steht ein gewisser Anspruch rechtlich zu (Beispiel Pflichtanteil beim Erbe, die Erbschaft an sich, die Unterstützung in Not durch die Eltern….). Und die Kinder „profitieren“ von dem Eigentum über die Fürsorge der Eltern (Das ist der Idealzustand. Heute können Familien kaum mehr Eigentum schaffen, was vielleicht so gewollt sein könnte, aber, worin mit einer großen Wahrscheinlichkeit, die Ursache zu finden ist, dass die Familien, deren Kinder, und das soziale Umfeld verwahrlosen und so über die fehlende Nestwärme die Menschheit in einem permanenten Überlebenskampf gehalten werden und damit keine Gefahr mehr für die Herrschenden darstellen).

Eine funktionierende und zufriedene Gesellschaft könnte vielleicht dadurch geschaffen werden, wenn das Besitz-Vakuum durch den echten Besitz ersetzt und Regeln zur Verwaltung erarbeitet werden. Dieses Handeln als Vertreter der Eigentümer müsste dann aber, im Gegensatz zur heutigen Praxis, verantwortlich und damit auch in letzter Konsequenz (handels)-strafbewehrt (Die möglichen Sanktionen gegen eine Bereicherung der Oberen in den demokratischen Systemen wird, vielleicht damit sich das System erhält, durch Regeln und Gesetze verhindert) erfolgen.

Es wäre vielleicht wert, darüber nachzudenken.

 

Weitergehende Diskussionsgrundlagen im Buch: „Neue Theologie Physik Indizien Experimente“
Trailer zum Buch: https://youtu.be/JWR_aD6JgRQ
Webpräsenz des Projektes: https://www.platon-projekt.net

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